Hart erkaufte Freiheit

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CC-BY-SA Josef Grunig

Die vermeintliche Freiheit die man sich mit so einer Weltreise „erkauft“ ist gar nicht so günstig wie es auf den ersten Blick scheint. Neben unzähligen Verträgen die gekündigt werden müssen, muss man auch schauen wie man nicht gänzlich aus dem Österreichischen Gesellschaftssystem herausfällt.

Ich kündige…

Der erste Schritt ist vermutlich der schwierigste, also die eigentliche Kündigung beim Arbeitgeber. Wenn das dann einvernehmlich geschafft ist, beginnt der Kündigungsmaraton aber erst. Neben Autoversicherung, die private Zusatzversicherung, das Internet, das Handy, Strom und Wärme, die Wohnung muss auch das Bausparkonto einmal stillgelegt werden. Alles Verträge die einen regelmäßig erinnern, bitte doch monatlich etwas auf das Konto zu überweisen.

Die vermeintliche Freiheit die man als Studierender oder besser gesagt, gerade nicht mehr Studierende, hat, die ist längst einem Abomodell gewichen welches monatlich Geld überwiesen bekommen will.

Birgit und ich waren überrascht wie viel Verträge wir eigentlich fristgerecht pausieren oder kündigen mussten und wie viel Zeit dafür eigentlich notwendig war.

Der kurioseste Fall kam dann auch noch von Drei, die bei Birgit per SMS behaupteten, die können den Kündigungsbrief nicht eindeutig einer Person zuordnen, sie solle bitte noch einmal einen Brief schicken mit ihrer Nummer. PER SMS … AN IHRE NUMMER…

.. oder auch nicht..

Problematischer wird es dann aber erst, wenn es um Sozialversicherung, Krankenversicherung und ähnliche Systeme in Österreich geht.

Das Gesellschaftssystem in Österreich hat es nicht vorgesehen, dass man ein Dienstverhältnis, in dem man gut verdient hat, einfach so kündigt und sich eine Auszeit nimmt, die noch dazu im Ausland (also auch außerhalb der EU) stattfindet.

Das größte Problem ist die Krankenversicherung. Da wir ja voraussichtlich 10 Monate unterwegs sein werden und wir unser Dienstverhältnis beendet haben, müssen wir uns selbst versichern. Wir sind weder Studierende (52€ pro Monat) noch geringfügig Angestellte (52€ pro Monat) sondern Angestellte, die ihr Dienstverhältnis selbst gekündigt haben und für den österreichischen Arbeitsmarkt für 10 Monate nicht zur Verfügung stehen, also 369€ pro Monat. Dieser Betrag kann mit einem Antrag auf 92€ pro Monat reduziert werden, jedoch bleibt ein komisches Gefühl zurück.

Denkbeispiel: Wenn wir unsere Krankenversicherung nicht selbst verlängern würden, würde spätestens im Jänner 2014 der Fall eintreten, dass wir uns nicht mehr selbst versichern könnten, sondern erst ein halbes Jahr warten müssten, ohne Leistungen der SV in Anspruch nehmen zu können. Erst wenn wir wieder in einem ordentlichen Dienstverhältnis sind, können wir wieder „normal“ zum Arzt gehen.

System: Arbeiten

Gerade in solchen speziellen Fällen zeigt sich wieder, wie unser Gesellschaftssystem eigentlich aufgebaut und wie unflexibel es auch ist. Wenn man nicht gerade eine Bildungskarenz aushandelt oder sonst irgendeinen Dreher hin bekommt, hat man wenig Chance, leistbar, in DEM System zu bleiben.

„Und was macht ihr wenn ihr wieder daheim seit?“ „So etwas kann man nur machen, wenn man jung ist!“ „Ich würde auch gerne mit, aber ich habe daheim zu viele Sachen auf die ich aufpassen muss!“ – Das und noch viel mehr ähnliche Sätze haben wir in letzter Zeit recht häufig gehört.

Ist das dass ein endgültiges Ziel? Einmal so weit zu sein, dass man sagen kann, ich kann mir keine Auszeit mehr nehmen, weil ich daheim zu viele Verpflichtungen hab oder ich zu viel Angst davor habe, was danach passiert?

Gefangen im System: Arbeiten

Mich (Matthias) hat das ganze auf jeden Fall bedenklich gestimmt…

Discuss - 12 Comments

  1. Lucy sagt:

    ausbrechen aus einem System war noch nie einfach…

  2. Mina Schagy sagt:

    Neu ist das wohl nicht; 1872 musste es einer auch in 80 Tagen um die Welt schaffen ;P

  3. manuela sagt:

    hallo zusammen,

    ich hätte eine frage zur krankenversicherung, du schreibst:

    Denkbeispiel: Wenn wir unsere Krankenversicherung nicht selbst verlängern würden, würde spätestens im Jänner 2014 der Fall eintreten, dass wir uns nicht mehr selbst versichern könnten, sondern erst ein halbes Jahr warten müssten, ohne Leistungen der SV in Anspruch nehmen zu können. Erst wenn wir wieder in einem ordentlichen Dienstverhältnis sind, können wir wieder “normal” zum Arzt gehen.

    aus welchem grund könntet ihr euch nicht mit jänner 2014 selbst versichern?

    lg

    • Matthias sagt:

      Wir wollten sparen – deswegen 🙂

      • manuela sagt:

        ja klar, das weiß ich schon :).

        nur würde mich der hintergrund interessieren, was sagt die gkk, wieso müsst ihr ein halbes jahr warten, ohne Leistung der SV in Anspruch nehmen zu können?

        wir stehen nämlich vor dem selben Problem.
        wahrscheinlich ne blöde frage, aber interessant zum wissen: könnte man theoretisch nicht das formular für den selbstbehalt fertig ausgefüllt in ö bei der family deponieren und im falle des falles dauert der rücktrasport ja sowieso einige tage/wochen, einmalig einzahlen und somit ist man wieder im ö.rechtssystem drinnen?!

        LG

        • Matthias sagt:

          Ja das geht natürlich schon, aber nach einem halben Jahr fällt man aus dem System weil du nicht mehr die entsprechende Mindestzeit vorher versichert warst und du zu lange nicht versichert warst – also wenn du vorher 26 Wochen durchgehend versichert warst, kannst du das machen bis zu einem halben Jahr. Danach haut es dich aus dem System raus und selbst bei Einbringung der Selbstversicherung, hast du erst 6 Monate später Anspruch auf Leistung..

  4. manuela sagt:

    danke für die Infos!
    ich werde mich nochmal bei der gkk in wien ganz genau erkundigen, man kriegt ja so gut wie gar keine infos bzw. wird laufend nur weiter verbunden.
    ich lese auch, dass die regelung der gkk vom bundesland stark variiert.
    irgendwo muss hier eine lücke im system sein 😉

    lg

  5. bayrdirndl sagt:

    Hallo Matthias,

    ich habe noch eine Frage. Habt ihr euch in der Zeit, wo ihr die Weltreise unternommen habt, vom Wohnsitz abgemeldet? Besteht dann in Österreich eine Versicherungspflicht (falls ich meinen Hauptwohnsitz belasse) auch wenn man keinen Arbeitnehmer hat?

    LG
    Silvia

    • Matthias sagt:

      Hi Silvia, nein wir haben uns jeweils daheim angemeldet & Nein es besteht keine Versicherungspflicht, jedoch bist du dann halt auch nicht versichert in Österreich wenn dir etwas passiert und wir hatten zudem das Problem, dass wir dann zu lange unversichert gewesen wären um uns „einfach“ sofort wieder zu versichern bzw. eine Leistung der GKK in Anspruch zunehmen

  6. Cat sagt:

    Hallo Matthias,

    ich hätte zu diesem Thema auch noch eine Frage:
    verstehe ich es richtig, dass man bei einer mehrmonatigen Reise (in meinem Fall max 6 Monate), in Österreich angemeldet bleiben kann, während man nicht gesetzlich versichert ist, und – sofern man nicht länger als ein halbes Jahr im Ausland bleibt – umgehend bei Rückkehr nach Österreich (inkl. Rücktransport bei Krankheit) wieder gesetzlich versichert werden kann?

    Liebe Grüße,

    Cat

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